Früherer Dekan war „Mittäter“ beim NS-Massenmord

Früherer Dekan war „Mittäter“ beim NS-Massenmord

Friedrich Mauz wurde 1956 zum Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Münster gewählt.Foto:

Friedrich Mauz wurde 1956 zum Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Münster gewählt.Foto:
(kal)
Münster – Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) hat einem früheren Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Münster die Ehrenmitgliedschaft aberkannt. Der 1979 verstorbene Prof. Dr. Friedrich Mauz habe zwischen 1933 und 1945 nicht nur die „Erbgesundheitspolitik“ des NS-Regimes „ohne Vorbehalte und mit Nachdruck“ unterstützt. Als Gutachter habe der Psychotherapeut und Neurologe ab 1940 zudem „aktiv zur Selektion der Opfer des Massenmordes an psychisch kranken und behinderten Menschen“ beigetragen, so die DGPPN. Die Gesellschaft hatte Mauz 1972 die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Friedrich Mauz wurde 1900 in Esslingen geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg tat er sich in Süddeutschland und im Ruhrgebiet als Kämpfer gegen den Kommunismus bevor. 1933 zählte er zu jenen Wissenschaftlern, die das „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“ unterzeichneten. „In den folgenden Jahren geriet seine Karriere jedoch ins Stocken, nicht weil er politisch aneckte, sondern weil sein wissenschaftliches Werk schmal war und als wenig originell galt“, berichtet die DGPPN.

1934 trat Mauz in die SA ein, 1937 in die NSDAP. In der Folgezeit beteiligte er sich unter anderem als Gutachter an Verfahren nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Ab 1940 arbeitete er als Gutachter für die Aktion T4“, dem als „Euthanasie“ bezeichneten Mord an psychisch Kranken.
Nach Einschätzung der DGPPN wurde er spätestens zu diesem Zeitpunkt zum Mittäter an einem vielfachen Mord. „Aus heutiger Perspektive muss die ,NS-Euthanasie als Genozid eingestuft werden, d.h. als die mit voller Absicht ins Werk gesetzte, planmäßig durchgeführte, tendenziell vollständige Vernichtung einer von den Tätern definierten Gruppe von Menschen“, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie.Nach dem Zweiten Weltkrieg beteuerte Mauz, nur „widerstrebend“ bei der „Aktion T4“ mitgemacht zu haben. Er sei ein „unpolitischer Mensch“ gewesen, den NS-Staat habe er „innerlich abgelehnt“. Laut DGPPN hat die historische Forschung für diese Selbsteinschätzung jedoch keinerlei Belege gefunden.

1953 wechselte der inzwischen entnazifizierte Mauz als Ordinarius an die Uniklinik Münster. 1956/1957 wurde er zum Dekan der Medizinischen Fakultät gewählt. Aus heutiger Sicht sind die Berufung und die Dekan-Wahl „unverständlich und unbegreiflich“, betont die Medizinische Fakultät in einer schriftlichen Stellungnahme. Wie der Sprecher der Fakultät, Thomas Bauer, berichtet, ist das Porträt-Foto in der Dekan-Galerie seit zwei Jahren mit einem Zusatztext versehen, der auf Mauz Rolle im Dritten Reich hinweist.

Neuere Erkenntnisse über die Verwicklungen der Medizinischen Fakultät in das NS-Regime sind laut Bauer im neuen Jahr zu erwarten, wenn Prof. Dr. Hans-Peter Kröner die Ergebnisse einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Untersuchung vorlegen wird. Überraschende Neuigkeiten zu Mauz seien hingegen kaum zu erwarten: „Dessen Vergehen sind bereits lange bekannt“, heißt es bei der Medizinischen Fakultät.

VON MARTIN KALITSCHKE, MÜNSTER
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ich liebe die berge,meinen hund,fahrrad...ist leider vorbei-jetzt liebe ich meinen e-rolli :)....,internet,meine freunde,bücher und musik- vorwiegend klassisch, piano.....malerei, die kunst überhaupt und frankreich.......und ich bin islamkritisch.
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