tVergewaltigungsopfer brechen ihr Schweigen

Internetaktion #ichhabnichtangezeigtVergewaltigungsopfer brechen ihr Schweigen

11.05.2012, 17:00

Von Katja Riedel

War mein Rock zu kurz? Hätte ich ihn nicht mit nach Hause nehmen dürfen? Ihn nicht anlächeln sollen? Bei keinem anderen Verbrechen haben Opfer so große Scheu den Täter anzuzeigen, wie bei sexueller Gewalt. Die Internetaktion #ichhabnichtangezeigt will das ändern. Die Resonanz ist gewaltig.

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  • Sabina Lorenz erlebt derzeit viele Momente, in denen es ihr kalt den Rücken hinunterläuft, in denen sie schlucken muss und ihr Tränen in die Augen steigen. Doch an diesem Morgen vor wenigen Tagen hat es sie fast umgehauen. Da las sie, was jemand gerade eben, als sie den Kaffee aufsetzte, anonym per Mail gesendet hatte: “Ich hab nicht angezeigt, weil es gerade heute Nacht passiert ist.” Die Bettwäsche, ein wichtiges Beweismittel, sei gerade in der Maschine.

Dieses “es” ist der Grund, warum Lorenz und vier Münchner Mitstreiterinnen in diesem Mai fast rund um die Uhr am Computer sitzen. “Es” ist ein Tabuthema: sexuelle Gewalt. Gewalt, welche die Opfer traumatisiert hinterlässt und die viele Betroffene lieber verschweigen als sie bei Polizei und Staatsanwaltschaft anzuzeigen, aus Scham, aus Angst vor dem Verfahren, in dem sie beweisen müssen, was ihnen angetan wurde, oder auch aus Zweifel, vielleicht doch selbst den Täter ungewollt ermutigt zu haben. War mein Rock zu kurz? Hätte ich ihn nicht mit nach Hause nehmen dürfen? Ihn nicht anlächeln sollen?

Seit dem 3. Mai lesen Sabina Lorenz und die anderen Frauen Hunderte solcher Fragen und kurzer Geschichten. Sie handeln von Gewalt, von Übergriffen, von Ängsten und dem Gefühl, nicht darüber sprechen zu können, was passiert ist. Noch bis Ende Mai läuft ihreInternetaktion #ichhabnichtangezeigt.

Frauen und Männer, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, können über Facebook, Twitter und eine E-Mail-Adresse anonym berichten, warum sie die Tat nicht bei der Polizei angezeigt haben. Damit wollen sie, so sagt es Mitorganisatorin Daniela Oerter, ein gesellschaftliches Umfeld schaffen, in dem Frauen es eher wagen, eine Tat anzuzeigen und selbst Gesicht zu zeigen, als Opfer. “Unsere Gesellschaft, in der Opfer ein Schimpfwort ist, empfinde ich als opferfeindlich. Ich kenne mehrere Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, aber keine einzige hat angezeigt “, sagt Oerter.

Bayernweit 5937 Anzeigen

Zahlen bestätigen das: Im Jahr 2010 wurden bayernweit 5937 Anzeigen wegen Vergewaltigung oder sexueller Nötigung erstattet, in München waren es im vergangenen Jahr 246. Die Gesamtzahl der Taten wird auf das 10- bis 20-fache geschätzt. Für Daniela Oerter ist das eine schockierende Erkenntnis. Sie macht dafür auch die Situation bei Polizei und vor Gericht verantwortlich.

Die Opfer müssten immer wieder von der Tat berichten, müssten Beweismittel sichern, ungewaschen bleiben, wenn sie sich eigentlich nur reinigen wollen. In einer seelischen Ausnahmesituation müssten sie sofort, am besten in den ersten zwölf Stunden, in denen sie kaum agieren können, Ermittler und Ärzte aufsuchen, in München etwa die Frauenklinik in der Maistraße.

Dass dies viele Frauen abschrecke, die Tat anzuzeigen, wundert Oerter nicht. Sie sieht sich nicht nur durch Studien, sondern auch von einer Schreiberin bestätigt: “Ich hab nicht angezeigt, weil ich selbst Juristin bin und genau weiß, wie solche Verhandlungen laufen.”

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Über attalan

ich liebe die berge,meinen hund,fahrrad...ist leider vorbei-jetzt liebe ich meinen e-rolli :)....,internet,meine freunde,bücher und musik- vorwiegend klassisch, piano.....malerei, die kunst überhaupt und frankreich.......und ich bin islamkritisch.
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Eine Antwort zu tVergewaltigungsopfer brechen ihr Schweigen

  1. attalan schreibt:

    attalan
    13. MAI 2012 UM 15:08
    #ichhabnichtangezeigt, …ich habe mehrfach (noch) nicht angezeigt, weil ich angst habe, wieder psychotisch zu werden, wegen der polizeilichen “befragungen”…
    einmal versuchte ich anzuzeigen, die staatanwaltschaft schrieb mir daraufhin, dass ich ausführlicher schreiben müsse. daraufhin zog ich meine anzeige zurück, denn ich war der meinung, schon sehr ausführlich geschrieben zu haben. ich habe auch sex. missbrauch und gewalt in einer therapie erfahren, obwohl ich mir extra eine “femisistische” , weibliche therapeutin suchte, um in sicherheit zu sein….ich wollte mit/bei ihr meinen sexuellen missbrauch und die vergewaltigungen in meiner kindheit be-verarbeiten…was ich da erlebnte, war sehr schlimm und holte auf einen schlag alle meine verdrängten erinnerungen hoch. ich befand mich jahrelang in einem dauerflash-back
    erst jetzt, seitdem ich eine therapeutin gefunden habe, die mit mir diese flash-backs in in imaginäre tresore verschlossen hat, kann ich nun nacheinader mit ihr diese erinnerungen vorsichtig zurück holen und bearbeiten. ich wollte nie wieder therapie machen und am liebsten sterben. meine therapeutin arbeitet ehrenamtlich seit 6 jahren mit mir. ich möchte ihr hiermit meinen dank aussprechen- ohne ihre hilfe wäre ich bereits im jenseits, oder erneut unter einer brücke, mich vor der zwangspsychiatrie versteckend…..

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