Neue Beschwerdestelle für psychisch Kranke

Neue Beschwerdestelle für psychisch Kranke

Von Thorkit Treichel

Der Mann lebt in einem Wohnheim für psychisch Kranke. Weil sein Betreuer Probleme mit der Unordnung im Zimmer hatte, strich er dem Bewohner kurzerhand das Taschengeld. Von diesem Fall berichtete Antje Müller, Mitarbeiterin der Mitte Dezember eingerichteten Beschwerde- und Informationsstelle Psychiatrie (BIP) in der Grunewaldstraße in Schöneberg, die gestern offiziell eröffnet wurde. Der Mann wandte sich an die BIP. “Nach einem klärenden Gespräch mit dem Betreuer bekam er wieder Taschengeld”, sagte Müller. 35 Beschwerden haben die vier hauptamtlichen Mitarbeiter bislang bearbeitet. Etwa die Klage einer Frau, die mit einer akuten Krise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und zu ihrer eigenen Sicherheit an ein Bett gefesselt wurde. Dass sie außerdem von einer Kamera überwacht wurde, empfand sie als demütigend. Die Mitarbeiter von BIP versuchen nun mit Hilfe eines Anwalts zu klären, ob dies rechtens ist. 20000 Menschen wenden sich jährlich an die sozialpsychiatrischen Dienste der Bezirke, der Berliner Krisendienst wird pro Jahr 50000 Mal kontaktiert. In der neu eingerichteten BIP – die vom Senat mit jährlich 140000 Euro gefördert wird und unter Trägerschaft des Vereins Gesundheit Berlin-Brandenburg steht – wird nicht nur Betroffenen und deren Angehörigen, sondern nun auch Betreuern geholfen. Dieses Angebot sei bundesweit einmalig, sagte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke). “Täglich werden mehrere Tausend erkrankte Menschen von mehreren tausend Betreuern versorgt”, sagte Heinrich Beuscher, der Landesbeauftragte für Psychiatrie. “Es ist klar, dass es da zu Konflikten kommt. Die Erkrankten sind von ihrem Weg abgekommen und häufig sehr verletzlich – und sehr verletzend zu anderen.” Psychische Erkrankungen gehören zu den großen Volksleiden. Jeder vierte Berliner leidet unter einer seelischen Störung, sagte Beuscher und berief sich auf deutsche sowie internationale Studien, die weltweit einen vergleichbaren Wert ermittelt haben. Rund zehn Prozent der Bevölkerung leidet unter Depressionen, das sind etwa 350000 Menschen in Berlin, weitere zehn Prozent sind von Abhängigkeitserkrankungen wie Alkoholsucht betroffen. Dazu kommen fünf Prozent, die mit Psychosen, Angststörungen oder Traumatisierungen zu kämpfen haben. Die Krankenkassen melden jährlich steigende Behandlungskosten bei Depressionen, doch es ist nicht sicher, ob dies auf eine Zunahme dieser Erkrankung zurückzuführen ist. “Es könnte auch sein, dass psychische Leiden enttabuisiert und häufiger diagnostiziert werden”, sagte der Psychiatriebeauftragte. Die Betroffenen werden vor allem ambulant in betreuten Wohneinrichtungen versorgt. Die Zahl der 2600 Psychiatriebetten in Kliniken wurde seit 1993 mehr als halbiert. Gleichwohl werden in den Krankenhäusern jährlich 40000 Behandlungsfälle gezählt, 1700 Menschen werden zwangseingewiesen. “Insbesondere richterlich angeordnete Zwangsmaßnahmen können Anlass zu Beschwerden geben, wenn sie von den Betroffenen als unrechtmäßig eingeschätzt werden”, sagte Lompscher. Ihre Rechte sollen mit Hilfe der Beschwerdestelle gestärkt werden. ———————– Weitere Informationen unter: http://www.psychiatrie-beschwerde.de —————————— “Täglich werden mehrere Tausende Erkrankte versorgt. Es ist klar, dass es da zu Konflikten kommt.” Heinrich Beuscher, Landesbeauftragter Psychiatrie

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